Heilen mit Wasser ...
Sebastian Kneipp
Stamm-Nummer: 05775 Linie: C27
"Man muß auf den ganzen Körper wirken, wenn man den Krankheitsstoff beseitigen will" - so umriß Sebastian
Kneipp im Jahre 1894 das Programm seiner Gesundheitslehre.
Das Grundanliegen seines Naturheilverfahrens - durch elementare Lebensreize und eine einfache Lebensweise
die Abwehrkräfte des Menschen zu steigern, um ihn dadurch gesund zu erhalten oder seine Gesundung zu
ermöglichen - hat auch heute nicht an Bedeutung verloren.
Sebastian Kneipp wurde am 17. Mai 1821 in Stephansried als Sohn eines Webers geboren. Er erlebte eine
schwere Jugend. Im Winter arbeitete er am Webstuhl. Im Sommer verdingte er sich in der Landwirtschaft
oder als Hirtenjunge. Sein Wunsch, Priester zu werden, schien aussichtslos. Doch während seiner
Wanderschaft als Webergeselle fand er in dem Kaplan Matthias Merkle einen hilfsbereiten Gönner. Kneipp
konnte für vier Jahre das Gymnasium besuchen, bestand 27jährig die Abschlußprüfung und studierte danach
in Dillingen und München katholische Theologie.
Er erkrankte an der damals weitverbreiteten "Arme-Leute-Krankheit", der Schwindsucht, und die Ärzte gaben
ihn bereits auf. Durch Zufall bekam Kneipp ein Buch in die Hand, das die Nützlichkeit der Wasserheilkunde
beschrieb, die Schrift des Arztes Johann Siegmund Hahn aus dem Jahre 1783 "Von Kraft und Würkung des
frischen Wassers in die Leiber der Menschen". Er entschloß sich zur radikalen Selbstbehandlung. Während
des Winters 1849 eilte er zwei- bis dreimal wöchentlich im Laufschritt zur eine dreiviertel Stunde
entfernten Donau, tauchte dort schweißgebadet in das eiskalte Wasser, um rasch wieder zu seiner Behausung
zurückzukehren. Die "Roß"kur bekam dem Todeskandidaten ausgezeichnet. Sein Befinden besserte sich
zusehends, und er gesundete vollständig.
Kneipps erster "Patient" wurde kurze Zeit später ein ebenfalls schwindsüchtiger Mitstudent, den er
heimlich nachts im Garten mit Güssen aus einer Gießkanne behandelte - erfolgreich, wie sich zeigte.
Von 1852 an als Kaplan in dem kleinen schwäbischen Dörfchen Boos tätig, war Kneipp bald nicht nur
Seelsorger, sondern ebenso Berater in Gesundheitsdingen seiner Gemeinde. Er geriet in den Ruf eines
"Wunderdoktors", wurde in einen "Kurfuscher-Prozeß" verwickelt, von der kirchlichen Obrigkeit mit dem
Verbot jedweder medizinischer Heiltätigkeit belegt und 1855 als Beichtvater an das
Dominikanerinnen-Kloster nach Wörishofen versetzt. Doch auch hier setzte er seine Untersuchungen fort,
wobei ihm die klösterliche Waschküche zum Behandlungs- und Studienort wurde...
Lange Jahre intensiven Studiums und kritischen Beobachtens sollten allerdings vergehen, ehe er mit der
von ihm entwickelten Hydro-Therapie an die Öffentlichkeit trat. 1889 entstand in Wörishofen - Kneipp war
inzwischen zum Pfarrer der Gemeinde berufen worden - die erste Badeanstalt, ein Jahr darauf wurde ein
weiteres Badehaus mit Turnplatz und Wandelhallen eingeweiht.
Kneipp verstand es, seine Wasserbehandlung in ein lehrhaftes System zu bringen und sie einfach und
eindringlich zu beschreiben. Bereits 1886 war seine erste Schrift "Meine Wasserkur" erschienen. Weitere
Veröffentlichungen - sie erreichten später hohe Auflagen und wurden in vielen Sprachen übersetzt - waren
"So sollt ihr leben", "Kinderpflege in gesunden und kranken Tagen" und "Mein Testament". Neben der
Schilderung spezieller Behandlungsverfahren wurde in ihnen eine Fülle von Ratschlägen im Sinne einer
volkstümlichen Gesundheitslehre gegeben.
Nach dem Tode Kneipps am 17. Juni 1897 entstanden weitere Bäder, Kurorte und Sanatorien, die seinen Namen
tragen. Das Wort "Kneipp-Behandlung" wurde zu einem Rahmenbegriff für eine bewährte und vielseitige
Physiotherapie.
Ilse Kämmerer
Notgeld der Stadt Wörishofen
Briefmarken der Deutschen Bundespost und der Deutschen Post
Vergnügliches von Eugen Roth über Kneipp
... und mit Lehm
Josef Kneip
Stamm-Nummer: 01515 Linie: G08
Wie erlange ich meine verlorene Gesundheit wieder und wie erhalte ich sie?
Niedergeschrieben von einem, der mit 20 Jahren sehr schwer erkrankte, eineinhalb Jahre ans Bett
gefesselt war und von allen Ärzten aufgegeben, fast auf wunderbare Weise wieder gesund wurde und bis
ins hohe Alter gesund blieb. (1973 80jährig)
Ich zitiere auszugsweise: Die Heilkraft des Lehmes
Schon von altersher wurde der Lehm als Heilmittel verwendet. Bevor wir auf dem Land Tierärzte hatten,
haben die Bauern beim Vieh, das unter Entzündungen und Hitze litt, den Lehm mit Erfolg angewandt.
Als ich in meiner Jugend so viel krank war und ein überaus schlimmes Bein hatte, habe ich den Lehm
erfolgreich angewendet, bis sämtliche Wunden abgeheilt waren. Auch in meinem weiteren Leben habe ich
bei mir wie auch in meiner Familie jede Entzündung mit Lehm behandelt und nie umsonst. Hierfür einige
Beispiele:
Im Jahre 1935, das erste Jahr nach unserer Landumlegung, machten wir den Ausbau fertig. Ich hatte
einen Plan bekommen, welcher total mit Senf verunkrautet, den ich aber mit Hanf eingesät hatte. Um das
Unkraut zu bekämpfen, ging ich eines Morgens um 04:00 Uhr bei gutem Tauwetter hinaus und streute
ungeölten, staubigen Kalkstickstoff darüber. Mir kamen wohl Bedenken, weil ich eine frische Wunde an
der rechten Hand hatte und hatte vorsichtshalber einen Verband angelegt. Aber bei der ersten Runde
über den Acker hatte sich dieser schon gelöst und die Wunde war schon schwarz von Düngemittel. Ich
streute natürlich ungeniert weiter.
Am Abend war meine Hand schon rot und geschwollen, sodaß der Vermessungsrat, welcher die Umlegung
durchführte es merkte und mich danach fragte. Er meinte: "Das kann eine böse Sache werden". Am
nächsten Morgen war die Hand noch schlimmer und gegen Abend war sie böse gescgwollen und noch röter
geworden. Der Vermessungsrat war ungehalten, daß ich nicht zum Arzt ginge, denn es sei eine
Blutvergiftung. Ich erklärte ihm, daß ich die Hand mit Lehm behandeln würde. Er jedoch war sehr
gespannt, ob ich etwas damit erreichte.
In der kommenden Nacht legte ich meine Hand dreimal, alle zwei Stunden in kühlen Lehm, worauf sie am
anderen Morgen besser war. Ich ging natürlich weiter arbeiten; denn die Vermessungsarbeiten waren
nicht schwer, aber bis zum Abend hatte sich die Hand wieder verschlimmert. So bedurfte er drei oder
vier Nächte bis die Entzündung vorbei war und der Vermessungsrat war sehr beeindruckt von meiner
Lehmbehandlung und deren Erfolg.
Es kamen oft genug auch Dorfbewohner zu mir, die irgendeine Entzündung hatten und die der Arzt ins
Krankenhaus überweisen wollte und suchten Hilfe. Dann ging ich natürlich für oder mit ihren
Angehörigen Lehm graben; den der Lehm, der auf eine Wunde kommt, muß höchst sauber sein und wenigstens
40 bis 50 cm tief aus dem Boden gegraben werden, damit er frei ist von jedem äußeren Einflüssen.
Bei einem ganz besonderen Fall möchte ich noch die Heilkraft des Lehmes hervorheben. Im Mai 1934 bekam
ich ein Augenleiden. Als es nach 8 bis 14 Tagen nicht besser, sondern schlimmer wurde, ging ich nach
Sauerbrunnen zum Arzt Dr. Krämer, welcher aber in Urlaub war. Sein Vertreter, ein fremder junger Arzt
untersuchte mein rechtes Auge und sagte, er könnte daran nichts machen und überwies mich zum
Augenarzt.
Am nächsten Tag fuhr ich zu diesem und mußte zur Behandlung ins Krankenhaus. Da mein rechtes Auge nach
10 bis 14 Tagen nicht besser, sondern schlimmer war, bestand für mich keinerlei Aussicht nach Hause zu
kommen. Da ich einen größeren Bienenstand hatte, bat ich den Arzt, er möchte mich einen Tag nach Hause
gehen lassen, um meinen beiden Jungen die nötigen Anweisungen zu geben. Da er selbst Bienen hatte,
fand er Verständnis dafür und gewährte mir meine Bitte.
Nach meiner Rückkehr ins Krankenhaus sagte er zu mir, er müsse mich aufklären betreffs meiner Augen.
Die Vermutung des Arztes, der mich überwiesen hatte, sei wahr, meine Augen seien vom Grünen Star
befallen, das rechte schon erheblich, das linke sei erst im Anfangsstadium. So blieb ich denn noch
zirka vier Wochen in seiner Behandlung, aber leider ohne Erfolg. Er war mir als Mensch symphatisch ind
ich hatte Vertrauen zu ihm; denn er war sanft und ruhig in seiner Behandlung. In kurzen Abständen
wurde der Druck in meinem rechten Auge gemessen, welcher immer über 40 stand und er sagte des öfteren
zu mir: "Wenn der Druck über 50 steigt, muß ich Ihr Auge herausnehmen". Er versuchte alles, um mir zu
helfen, aber sein Bemühen war vergeblich, das rechte Auge wurde schlimmer, ich konnte kein Licht mehr
vertragen und die Sehkraft war fast erloschen.
Eines Tages, es war an einem Dienstag, nahm er mich mit in sein Untersuchungszimmer und untersuchte
mein Auge, worauf er dann zu mir sagte: "Ihr Auge ist verloren, ich habe keine Hoffnung mehr; denn ich
habe alles mir mögliche angewendet, ohne Erfolg". Daraufhin bat ich ihn, mich nach Hause gehen zu
lassen, um es dort mit Naturheilmitteln zu versuchen. Als er mich nach diesen fragte, nannte ich ihm
Lehm und fließendes kaltes Wasser. Er meinte: "Wenn Sie Vertrauen dazu haben, stehe ich Ihnen nicht im
Wege. Aber Sie müssen es hier im Krankenhaus machen; ich will es überwachen, damit das andere Auge
nicht auch verloren ist. Lehm können Sie hier in der Apotheke kaufen und fließendes Wasser gibt es im
Rhein genug". Darauf entgegnete ich ihm: "Das Wasser im Rhein ist schmutzig und nicht heilsam wie die
klaren Quellen und Bäche (denn zu diese Zeit gab es noch keine Kanalisierungen, die die Bäche
verschmutzten), auch bin ich der Ansicht, daß der frisch gegrabene Lehm eine größere Heilkraft hat als
die Heilerde, welche wie lange in ihrer Verpackung liegt".
Er hieß mich meine Angehörigen anzurufen, damit sie mir Lehm bringen sollte. Da die Meinen nicht
orientiert waren, wo ich guten Lehm grub, fuhr ich kurz entschlossen ohne Ausgang, mit nur einem
sehenden Auge (das andere war mit einer Klappe verschlossen) mit dem 13:00 Uhr-Bus nach Hause. Dort
ging ich mit meinem Sohn zirka 400 bis 500 Meter vom Dorf entfernt, am Waldrand den richtigen Lehm
holen; er trug mir meinen Eimer mit Lehm zum nächsten Bus, womit ich zurückfuhr und kurz vor 18:00 Uhr
wieder ins Krankenhaus zurückkehrte.
Ich nahm mir von zu Hause mit, was ich brauchte: einige Stücke Leinentuch, ein Wolltuch, ein
Wickelband und eine Schüssel. Zum Anrühren des Lehmes. Am anderen Morgen, es war Mittwoch, begann ich
die Behandlung. Den Lehm rührte ich mit lauwarmen Wasser an. Weil die Augen empfindlicher sind als
andere Körperteile, strich ich den angerührten Lehm auf ein Stück Leinentuch und legte dies mit der
Lehmseite auf das geschlossene Augenlid, darüber ein Wolltuch, das zwei- bis dreimal gefaltet war und
schlug dass das Wickelband darüber, ein paarmal um den Kopf. Diese Packung ließ ich zwei Stunden
liegen, wusch dann mit kaltem Wasser ab und erneuerte diese Packung am Tage vier- bis fünfmal.
Am Donnerstag besah sich mein Bettnachbar, der mir vorher öfters Tropfen ins Auge machte und dessen
Aussehen kannte, das kranke Organg und sagte zu mir: "Ich glaube, das Auge hat sich etwas geändert,
das Häutchen, welches das Auge überzogen hat, ist wässeriger, es bekommt eine andere Farbe". Am
Freitag besah der Arzt sich mein Auge und meinte: "Es ist eine Veränderung eingetreten. Weitermachen!"
Am Samstag, kurz vor Mittag, nahm er mich mit in sein Behandlungszimmer, untersuchte das Auge und
sagte: "Es ist eine entscheidende Wendung eingetreten; mit dem Lehm weitermachen!"
Daraufhin bat ich ihn, er möchte mich nach Hause gehen lassen, ich könnte dort die Behandlung besser
durchführen als hier. Mit meinem Wunsche war er einverstanden und sagte: "Es liegt jetzt an Ihnen,
wenn Sie etwas erreichen wollen, tun Sie, was Sie können, und kommen Sie in acht Tagen zu mir, ich
will sehen, wie das wird, den nächsten Termin setzen wir auf Montag fest." An diesem Samstagnachmittag
fuhr ich nach Hause und kümmerte mich um nichts, als um die Behandlung meines Auges. Am nächsten Tage
hatten wir Kirmes. Zum Mittagessen stand ich auf, anschließend hielt ich wieder Bettruhe und machte
meine Lehmbehandlung. Die Abwaschungen machte ich nur mit fließendem Wasser.. Die kommende Woche
hindurch führte ich die Lehmbehandlung gewissenhaft durch und spürte mit jedem Tag mehr Besserung und
Sehkraft.
Als ich an dem festgesetzten Tage zum Arzte kam, war sein Wartezimmer überfüllt. Als er mich sah, nahm
er mich sofort mit in sein Sprechzimmer und fragte: "Wie ist es?" Ich sagte ihm, daß ich zufrieden
sei. Er nahm mir die Klappe vom Auge, schaute hinein und sagte: "Ich bin auch zufrieden." Dann
untersuchte er mein Auge und meinte: "Sie müßten eigentlich wieder Sehkraft in dem Auge haben", was
ich auch bejahte. Ich mußte dann mit dem kranken Auge Zahlen und Buchstaben lesen, wobei ich die
größeren alle fließend lesen konnte. Er freute sich mit mir, klopfte mir auf die Schulter und sagte:
"Was hatten Sie ein Glück!" Ich fragte ihn daraufhin: "Herr Doktor, was halten Sie denn nun vom Lehm?"
Er erwiderte: "Ich bin überzeugt und werde ihn in schwierigen Fällen anwenden."
Diese Lehmbehandlung führte ich noch weitere drei bis vier Wochen durch, die letzten acht Tage nicht
mehr so oft, dann war mein Auge ausgeheilt und heute in meinem Alter habe ich in diesem Auge die
meiste Sehkraft. Wenn ich heute noch im Sommer durch die grüne Natur gehe und an einem fließenden
Wasserlein vorbeikomme, so wasche ich mir die Augen darin und fühle dessen Erfrischung und Heilkraft
und danke meinem Gott für die gut erhaltene Sehkraft. ...
Ich möchte in meinem Alter den Menschen nur sagen: Gesundheit ist der größte Schatz. Ein Leben ist
wert, gelebt zu werden und was ist das Leben, wenn man krank ist? Eine Last für sich und die
Angehörigen. Lebt gesund und kehrt zurück zum Natürlichen, haltet Maß und Ziel in allem, besonders im
Essen und Trinken; denn wir leben nicht, um zu essen und zu trinken, sondern wir essen und trinken, um
zu leben! Drum lernt in Euren jungen Tagen zu Euren Wünschen "nein" zu sagen. Besonders der Jugend
möchte ich zurufen: Seid charakterfest und habt Willenskraft, meidet alles, was Eurer Gesundheit
schädlich ist, besonders das übermäßige Trinken und Rauchen. Das Rauchen ist ja nur eine üble
Angewohnheit, das weder Hunger noch Durst stillt und in der Jugend angefangen wird aus Angeberei und
Geltungsbedürfnis. Man möchte etwas sein, doch in Wirklichkeit ist der ein Mann, der sich beherrschen
kann.